Déformation professionnelle
- die "Déformation professionnelle" der Politikwissenschaft wäre grundsätzlich prädestiniert dafür, eine weitläufige Interpretation und Einordnung des Zeitgeschehens zu liefern;
- dafür könnte man auf verschiedene politiktheoretische Erklärungsansätze zurückgreifen, beispielsweise:
- Michel Foucault's Ausführungen zum medizinischen u. biotechnologischen "Dispositiv" (HIER und HIER);
- im Anschluß an Foucault der italienische Philosoph Giorgio Agamben und sein Entwurf souveräner Macht in "Homo sacer";
- Sheldon S. Wolin's Modell des "inverted totalitarianism", des "umgekehrten Totalitarismus", also eines Ensembles postdemokratischer Regierungs- und Manipulationstechniken;
- die 2020er NATO-Akte zum "Cognitive Warfare" (HIER und HIER) als dem 6. Schlachtfeld der Zukunft (nach Land, Wasser, Luft, Weltall, Cyberspace);
- Ernst Fraenkels "Doppelstaat"-Modell eines (rechtsstaatlich entfalteten) Normenstaates einerseits und eines (sich außerhalb der allgemeinen Rechtsordnung ausweitenden) Maßnahmen- und Verordnungsstaates andererseits;
- Regieren in und mit dem Ausnahmezustand bzw. die Krise als Regierungskunst:
Dario Gentili, Krise als Regierungskunst (Merve-Verlag, 2020),
Yana Milev, Emergency Empire - Transformation des Ausnahmezustands, Teil 1: Souveränität (Springer-Verlag Wien, 2009, PDF); - der von Max Horkheimer und der Kritischen Theorie entwickelte und neuerdings wiederbelebte Begriff der "Rackets" (HIER und HIER);
- in Anlehnung an Horkheimers Diktum ("Wer aber vom Kapitalismus nicht reden will, sollte auch vom Faschismus schweigen"; 1939, Die Juden und Europa, in: Studies in Philosophy and Social Science, Bd. 8, Institute of Social Research, New York, S. 115) wäre eine zukünftige gesellschaftliche Bedingung zu betrachten: "Wer aber vom Totalitarismus nicht reden will, sollte auch von der Digitalisierung schweigen";
- auch der aus den USA stammende und insbesondere von Hans Jürgen Krysmanski (1935 - 2016) in der bundesdeutschen Soziologie fruchtbar gemachte "Power Structure Research"-Ansatz (PSR), also die Herrschaftsstrukturforschung, könnte uns tief in den Kaninchenbau führen (HIER, HIER und HIER);
- schlußendlich wäre – bei erweitertem Horizont – auch ein Blick auf psychodynamische Prozesse hilfreich:
- schnelles vs. langsames Denken, Affekt vs. Reflexion, Bauchgefühl vs. prüfende Betrachtung
( Raphael Bonelli, Bauchgefühle )
( Daniel Kahneman, Schnelles Denken, Langsames Denken ) - Lernen durch Schmerz vs. Lernen aus Erkenntnis
( Zen-Erkenntnis in vier Zeilen )
( Zen-Pfad: Die zehn Ochsenbilder ) - Kollusionen (also das stille, unausgesprochene Sichgemeinmachen und Einverständnis) des Groupthink, "groupthink theory", "rally 'round the flag"
( https://www.communicationtheory.org/groupthink/ )
( https://www.simplypsychology.org/groupthink.html ) - Gruppendynamiken (Alpha-Beta-Gamma-Omega-Cluster, Normopathie, kollektive Größenklein-Störung) als 'schiefe Ebene' in die kognitive Dissonanz
( Hans-Joachim Maaz, Die narzisstische Gesellschaft - Ein Psychogramm )
( Hans-Joachim Maaz, Angstgesellschaft ) - Massenbildung auf der Orwell'schen "Animal Farm"
( Mattias Desmet, Die Psychologie des Totalitarismus )
- schnelles vs. langsames Denken, Affekt vs. Reflexion, Bauchgefühl vs. prüfende Betrachtung
... another story for another day!
