In den Fachzirkeln des RKI wußte man sehr wohl um die tatsächliche epidemiologische Lage draußen im Land  – schließlich hat man ja die Fachverantwortung für das GrippeWeb bei sich im Haus, das wiederum verzahnt ist mit der AGI (Arbeitsgemeinschaft Influenza)

Auf der Website des RKI mußte man allerdings tief in die FAQs eintauchen, um auf diesbzgl. erhellende Textpassagen zu stoßen, und wenn der Abteilungsleiter Epidemiologie sich gleichlautend im Deutschen Ärzteblatt äußerte, blieb das ja auch eher unterhalb des Aufmerksamkeitsradars des Publikums.

Von außen betrachtet, entsprachen die Feststellungen Alexander Rommels dem symptomatischen Verhalten eines Mitglieds des (erweiterten) Staatsapparats: Er kann seine Hände jederzeit in Unschuld waschen, denn "Da steht’s doch! Ich hab’s doch gesagt!". Daß er statt dessen seinem Institutsleiter, Tierarzt Lothar Wieler, massiv in die Parade hätte fahren müssen, welchen blanken Unsinn er in den Bundespressekonferenzen von sich gebe, bleibt ungesagt.

Drittens gab Rommel den Besorgten, indem er ebenso Gebrauch machte vom "Pandemie"-Begriff – etwas, das er sich aufgrund der ihm vorliegenden Zahlen nie und nimmer hätte durchgehen lassen dürfen. Und schließlich übertrieb er sogar noch in der zitierten Textpassage, denn eine "Übersterblichkeit" gab es in 2020 nicht, und wenn er es auf ein "Niveau mittelschwerer Influenzawellen" runtergekocht hätte, wäre er ein zusätzliches Stück näher an der Wirklichkeit dran gewesen!

 

 

Robert-Koch-Institut 06.01.2021

 

Warum bilden sich die COVID-19-Wellen bisher nicht bei GrippeWeb ab?

GrippeWeb ist ein Online-Portal des Robert Koch-Instituts, das 2011 online ging und die Aktivität akuter Atemwegserkrankungen in Deutschland direkt aus der Bevölkerung beobachtet (https://grippeweb.rki.de). GrippeWeb gehört zu den syndromischen Überwachungssystemen. Teilnehmer und Teilnehmerinnen, die idealerweise wöchentlich online melden, geben an, ob sie eine neu aufgetretene Atemwegserkrankung hatten mit Symptomen wie Husten, Schnupfen, Halsschmerzen oder Fieber, oder ob dies nicht der Fall war. Derzeit melden etwa 6.500 bis 8.500 Teilnehmende pro Woche.

Bei GrippeWeb werden Symptome abgefragt, die auch bei Covid-19 beobachtet werden. Deshalb wären aufgetretene Covid-19-Erkrankungen – ob als solche (labor-)diagnostiziert oder nicht – ebenfalls inbegriffen. Eine Abfrage, ob bestimmte Atemwegserreger nachgewiesen wurden, ist im GrippeWeb-System bisher nicht enthalten.

Es werden bei GrippeWeb folgende Definitionen benutzt:

  • Akute respiratorische Erkrankungen (ARE) sind neu aufgetretene akute Atemwegserkrankungen mit Fieber ODER Husten ODER Halsschmerzen;
  • grippeähnliche Erkrankungen (influenza-like illness; ILI) sind neu aufgetretene akute Atemwegserkrankungen mit Fieber UND (Husten ODER Halsschmerzen). Somit gehören alle ILI auch zu den ARE. 1)

Die "Covid-19-Wellen" (im März/April 2020 sowie im September/Oktober 2020) bilden sich bei GrippeWeb in den ARE- und ILI-Raten bisher nicht ab, da sich die COVID-19-Fallzahlen noch in einer Größenordnung bewegen, die noch unterhalb des "syndromischen Radars" liegt. Hinzukommt, dass durch die Einhaltung der AHA(+L)-Regeln (Abstand halten, Hygiene beachten, Alltagsmaske tragen und Lüften) von vielen Bürgerinnen und Bürgern, ganz allgemein das Ansteckungsrisiko für viele Atemwegserkrankungen deutlich reduziert wird. Letzteres spiegelt sich in den im Vergleich zu den Vorjahren niedrigeren ARE- und ILI-Raten wider.

Beispielrechnung: In der 41. KW 2020 lag die ARE-Rate bei GrippeWeb bei 4,2 % (Stand: 27.10.2020). Angenommen: Bei im Durchschnitt 12.000 Sars-CoV-2-Fällen pro Tag, die nach IfSG von den Gesundheitsämtern gemeldet werden, ergibt das 84.000 Sars-CoV-2-Fälle pro Woche. Wenn man davon ausgehen würde, dass alle Fälle mit Sars-CoV-2-Nachweis symptomatisch sind und die zusätzlich Untererfassung beispielsweise mit dem Faktor 3 korrigiert wird (in Deutschland - je nach Studie – macht das einen Faktor 2 bis 5 aus), dann wären es in Spitzenwochen 252.000 Covid-19-Fälle. Das entspricht auf die Bevölkerung in Deutschland (ca. 83 Mio.) gerechnet rund 0,3 %. Das heißt, dass bei einer ARE-Rate von 4,2 % (GrippeWeb) die Covid-19-Erkrankungen mit 0,3 % noch nicht so stark ins Gewicht fallen würden, da noch viele andere Atemwegserreger Erkältungskrankheiten verursachen.

Es gibt am RKI verschiedene Überwachungssysteme, die sich gegenseitig ergänzen. Wenn eine Erkrankung wie COVID-19 so häufig auftritt, dass sie auf Bevölkerungsebene wahrnehmbar ist, dann sind die Überwachungssysteme wie GrippeWeb (und auch die Arbeitsgemeinschaft Influenza (https://influenza.rki.de) wichtig, um ihren Verlauf zu verfolgen. In der gegenwärtigen Lage ist aber zur Beobachtung der COVID-19-Erkrankungen das Meldesystem am besten geeignet.

Stand: 12.11.2020 / FAQ-Seite: 6.1.2021

 

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long link: http://archive.today/2021.01.13-114442/https://www.rki.de/SharedDocs/FAQ/NCOV2019/gesamt.html%23FAQId15026158

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RKI - Coronavirus SARS-CoV-2 - Antworten auf häufig gestellte Fragen …
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1) ARE = akute respiratorische Erkrankungen, also akute Atemwegserkrankungen / ILI = influenza-like illness, also grippeähnliche Erkrankungen

 

 

 

Robert-Koch-Institut 11.03.2021

 

Warum bilden sich die COVID-19-Wellen bisher nicht bei GrippeWeb ab?

GrippeWeb ist ein Online-Portal des Robert Koch-Instituts, das 2011 online ging und die Aktivität akuter Atemwegserkrankungen in Deutschland direkt aus der Bevölkerung beobachtet (https://grippeweb.rki.de). Derzeit melden etwa 6.500 bis 8.500 Teilnehmende pro Woche. GrippeWeb gehört zu den syndromischen Überwachungssystemen. Teilnehmer und Teilnehmerinnen, die idealerweise wöchentlich online melden, geben an, ob sie in der abgelaufenen Woche eine neu aufgetretene Atemwegserkrankung hatten mit Symptomen wie Husten, Schnupfen, Halsschmerzen oder Fieber, oder ob dies nicht der Fall war.

Es werden bei GrippeWeb folgende Definitionen benutzt:

  • Akute respiratorische Erkrankungen (ARE) sind neu aufgetretene akute Atemwegserkrankungen mit Fieber ODER Husten ODER Halsschmerzen;
  • grippeähnliche Erkrankungen (influenza-like illness; ILI) sind neu aufgetretene akute Atemwegserkrankungen mit Fieber UND (Husten ODER Halsschmerzen). Somit gehören alle ILI auch zu den ARE. 1)

Eine Vielzahl von Atemwegserregern kann diese Symptome hervorrufen, und es ist so gut wie nie bekannt, welcher Erreger im Einzelfall zu der Atemwegserkrankung geführt hat. Auch eine Person mit COVID-19 würde normalerweise Symptome haben, die als ARE in GrippeWeb registriert würden. Eine Abfrage, ob bestimmte Atemwegserreger nachgewiesen wurden, ist im GrippeWeb-System bisher nicht enthalten. Auch wenn eine Person mit einer ARE seinen Erreger kennt, kann dieser nicht eingegeben werden.

Die "COVID-19-Wellen" (im März/April 2020 sowie im September/Oktober 2020) bilden sich bei GrippeWeb in den ARE- und ILI-Raten bisher eher nicht ab, da sich die COVID-19-Fallzahlen in einer Größenordnung bewegen, die deutlich unterhalb des "syndromischen Radars" liegt. Allerdings lassen sich die Wirkungen der Maßnahmen in GrippeWeb sehr gut verfolgen, da durch die Einhaltung der AHA(+L)-Regeln (Abstand halten, Hygiene beachten, im Alltag Maske tragen und Lüften) von vielen Bürgerinnen und Bürgern, ganz allgemein das Ansteckungsrisiko für viele Atemwegserkrankungen deutlich reduziert wird. Daher wurden z.B. in den letzten drei bis vier Monaten des Jahres 2020 deutlich niedrigere ARE-Raten in GrippeWeb beobachtet als in den Vorjahren.

Stand: 09.03.2021 / FAQ-Seite: 11.03.2021

 

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RKI - Coronavirus SARS-CoV-2 - Antworten auf häufig gestellte Fragen …
archived 31 Mar 2021 15:12:23 UTC

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{{cite web | title = RKI - Coronavirus SARS-CoV-2 - Antworten auf häufig gestellte Fragen … | url = https://www.rki.de/SharedDocs/FAQ/NCOV2019/gesamt.html#FAQId15764402 | date = 2021-03-31 | archiveurl = http://archive.today/6mA0K | archivedate = 2021-03-31 }}

1) ARE = akute respiratorische Erkrankungen, also akute Atemwegserkrankungen / ILI = influenza-like illness, also grippeähnliche Erkrankungen

 

 

 

Dr. rer. med. Alexander Rommel

Robert Koch-Institut, Berlin
Leiter der Abteilung 2, Epidemiologie und Gesundheitsmonitoring

"Kumulativ betrachtet blieben die YLL1) durch COVID-19 im Jahr 2020 unterhalb des üblichen Verlusts an Lebenszeit durch weitere wichtige Todesursachen. Die Analyse der Übersterblichkeit legt aber nahe, dass die COVID-19-Pandemie am Ende des Jahres 2020 etwa das Niveau schwerer Influenzawellen erreicht hat. … Des Weiteren ist bei COVID-19 von einem multikausalen Sterbegeschehen auszugehen; die unikausale Erfassung der Todesursachen in Deutschland ist in dieser Hinsicht problematisch.

1) Years of Life Lost = durch Tod verlorene Lebensjahre

Quelle:

„COVID-19-Krankheitslast in Deutschland im Jahr 2020. Durch Tod und Krankheit verlorene Lebensjahre im Verlauf der Pandemie.”
In: Deutsches Ärzteblatt, Jg. 118, Heft 9, 5.3.2021, S. 145 - 151 (Zitat von S. 150)